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Uranmunition

Deutsche Presse Agentur Meldung, 18.1.2001:

USA liefern Scharping erste Informationen über Uran-Munition

Berlin (dpa) - Verteidigungsminister Rudolf Scharping
hat vom amtierenden US-Botschafter ein
erstes Informationspaket über Uran- Munition erhalten,
die die USA auf dem Balkan abgefeuert
haben. Das teilte ein Sprecher Scharpings mit. Inhalte
wurde nicht bekannt. Scharping habe
eine unverzügliche Auswertung der Informationen
veranlasst, hieß es. Der Minister hatte
gestern nach Berichten über Plutoniumspuren in Uran-
Munition den US-Botschafter einbestellt
und sich über dürftige Informationen von Seiten der USA
beschwert.

Süddeutsche Zeitung, 18.1.2001:

Risiko durch Uran-Munition

Die Uran-Munition, die auf dem Balkan eingesetzt
wurde, hat möglicherweise auch Plutonium
enthalten, das schon in geringen Mengen krebserregend
sein kann. Bislang war darüber
gestritten worden, ob das Uran oder eher brennende
Chemieanlagen die Leukämie bei
  Nato-Soldaten verursacht haben könnte / Von Markus C.
Schulte und Angelika Jung-Hüttl

Die Uran-Munition der Nato im
Kosovo
hat möglicherweise Plutonium
enthalten. Das berichten die
ARD und
Schweizer Wissenschaftler.

Plutonium ist ein Gift und
bereits in
geringsten Mengen stark Krebs
erregend. Ob das Plutonium
Leukämie-Fälle verursacht
haben
könnte, wie ein Sprecher der
Strahlenkommission
behauptete, ist
weiterhin unklar.

Bislang wurde das Uran in der Munition als möglicher
Krebs-Erreger
diskutiert. Die Soldaten und die Einwohner der
betroffenen Gebieten
waren jedoch keiner größeren Strahlenbelastung
ausgesetzt als
mancherorts in Deutschland durch die natürliche
Strahlung.



Uran-Munition enthielt angeblich Plutonium

ARD zitiert Untersuchung des
US-Verteidigungsministeriums

Die Uran-Munition der Nato im Kosovo hat
möglicherweise Plutonium
enthalten. Das berichten die ARD und Schweizer
Wissenschaftler. Ob
 das Plutonium Leukämie-Fälle verursacht haben könnte,
wie ein
Sprecher der Strahlenkommission behauptete, ist
weiterhin unklar.

Das Plutonium befand sich in abgereichertem Uran, das
dem
US-Verteidigungsministerium zur Munitionsherstellung
übergeben
wurde, und gelangte so in die Geschosse, meldet die
ARD.

Die unter Nato-Soldaten vermehrt aufgetretenen
Leukämie-Fälle könnten
durch das Plutonium in der US-Munition verursacht
worden sein, sagte
der stellvertretende Vorsitzende der
Strahlenschutzkommission der
Bundesregierung, Wolfgang Köhnlein. Das radioaktive
Plutonium ist
bereits in geringsten Mengen stark Krebs erregend.

Die ARD beruft sich auf eine Untersuchung des
US-Verteidigungsministeriums vom Dezember 2000. Die
Forscher seien
zu dem Schluss gekommen, das "dass abgereicherte
Uran, das dem
US-Verteidigungsministerium zur Munitionsherstellung
übergeben
wurde, Spuren von Plutonium enthalten kann".

Bundeswehr testete Uran-Munition

Die Bundeswehr hat nach Darstellung des NDR vor 20
Jahren
Uran-Munition getestet. Ein ehemaliger Soldat sagte
dem Sender, er
habe 1980 auf dem Übungsplatz Sennelager bei
Paderborn etwa zehn
Patronen mit abgereichertem Uran verschossen. Vor
Gesundheitsgefahren sei er nicht gewarnt worden.

Das Bundesverteidigungsministerium kommentierte den
Bericht des
Soldaten nicht.

Der Wissenschaftler und Leiter des Berliner
Informationszentrums für
Transatlantische Sicherheit, Otfried Nassauer, sagte
dem Sender
jedoch, die Aussagen des Mannes passten zusammen. Ein
Foto des
Soldaten neben dem beschossenen Panzerwrack zeige
Merkmale, die
den Einschussspuren von Uranmunition ähnelten.



Spuren angereicherten Urans deuten auf
Strahlungsrisiko durch Plutonium

Spuren von Uran 236 zeigen, dass die Uran-Munition
der NATO auch Plutonium enthalten
könnte / Wissenschaftler sind weiter uneins über die
Strahlungsrisiken

Wissenschaftler des UN-Umweltprogrammes (UNEP) haben
in der
Uran-Munition aus den Kosovo Spuren von
angereichertem Uran
gefunden, das in der Natur nicht vorkomme.

Das private Schweizer AC-Laboratorium, das die
NATO-Munition im
Auftrag des UNEP untersuchte, hatte geringe Mengen
von Uran 236
gefunden.

Dieses Uran-Isotop ist, anders als die in der
Munition bisher entdeckten
abgereicherten Formen von Natur-Uran, ein
Abfallprodukt der
Atomindustrie. Damit könne auch eine Verunreinigung
der
NATO-Munition mit gefährlichem Plutonium nicht mehr
ausgeschlossen
werden, erklärte der Sprecher des Labors, Hansruedi
Indermühle am
Mittwoch in Spiez.

ETH: Munition enthält "höchstwahrscheinlich"
Plutonium

Nach internationalen Richtlinien dürften nach der
Wiederaufbereitung von
Brennstäben aus Kernkraftwerken zwar keine
nennenswerten
Plutoniumreste mehr an dem Uran zu finden sein.

"Es würde aber durchaus Sinn machen, die
Munitionsproben nun auch
auf Plutonium hin zu untersuchen", sagte Indermühle.

Auch die Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH)
in Zürich
hatte in einer Stellungnahme mitgeteilt, dass das
radioaktive, hochgiftige
Schwermetall "höchstwahrscheinlich" in der Munition
enthalten sei.

Die ETH wies darauf hin, dass manche Brennstäbe nach
Gebrauch in
einer Aufbereitungsanlage recycelt würden. In einer
Serie von
chemischen Prozessen werde das hochgefährliche
Plutonium
abgetrennt.

"Offenes Geheimnis"

"Es ist ein offenes Geheimnis, dass in einem
chemischen Trennprozess
bei der Aufbreitung von abgebrannten Brennstäben
praktisch immer
Reste des abzutrennenden Materials zurückbleiben",
schrieb die ETH.

Aus wissenschaftlicher Sicht sei nicht ersichtlich,
weshalb die NATO für
ihre Munition zum Teil Uran aus Kernkraftwerken
verwendet habe. "Wir
sind deshalb über unsere Entdeckung überrascht
gewesen", erklärte
Indermühle vom AC-Laboratorium.

Gezielte Suche nach Plutonium

Experten der Gesellschaft für Umwelt und
Strahlenforschung (GSF) in
Neuherberg wollen nun in uranhaltiger Munition
gezielt nach Spuren von
Plutonium suchen.

Nachdem die Ergebnisse der Schweizer bekannt geworden
waren, hat
sich die GSF "umgehend an das
Verteidigungsministerium gewandt, um
Teile von im Kosovo verschossenen Granaten zu
erhalten", erklärte
Haury. Die "komplizierte" Suche werde voraussichtlich
einige Tage
dauern. Die Ergebnisse werde die GSF öffentlich
machen.

Plutonium ist einer der giftigsten Stoffe überhaupt

Für den Menschen stellt Plutonium einen der
giftigsten Stoffe überhaupt
dar: Wissenschaftler bearbeiten es daher in
Laboratorien nur unter
allerstrengsten Schutzmaßnahmen.

Atmet der Mensch Plutonium-Staub ein, kann dies
Lungenkrebs
verursachen. Das Schwermetall lagert sich aber vor
allem in den
Knochen ab und wirkt von dort radioaktiv auf den
gesamten Organismus:
Aufgrund seiner Strahlenwirkung können bereits wenige
Mikrogramm
davon einen Menschen töten.

Gefahr durch Plutonium in der Munition umstritten

Ob die Plutoniumspuren in der Munition nun eine
zusätzliche Gefahr für
die Soldaten darstellen, ist bei den Experten der
verschiedenen
Institutionen umstritten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) soll die
Bedeutung der
Entdeckung weiter untersuchen. Pekka Haavisto, ein
Sprecher des
UNEP erklärte, weil die Spuren von Uran 236 in den
analysierten Proben
so gering seien, scheine keine erhöhte Krebsgefahr zu
bestehen.

Krebsgefahr vielfach höher

Die ETH teilt diesen Optimismus nicht.
Wissenschaftler des Instituts
erklärten, dass die Diskussion um eventuelle
Gesundheitsschäden mit
den neuen Erkenntnissen eine ganz neue Dimension
erhalte. Die
Gefahr, an Krebs zu erkranken, wäre um ein Vielfaches
höher.

Quelle: sueddeutsche.de / dpa / AP



SZ vom 18.01.2001, Politik
Suche nach winzigen Spuren

Munition kann mit Plutonium verunreinigt sein / Von
Christopher Schrader und Martin Urban

"Wenn es wahr sein sollte, dass die Nato uranhaltige
Munition
verwendet, die in Spuren Plutonium enthält, dann ist
eine neue
Dimension der Diskussion" erreicht. Das sagte der
Vorsitzende der
Reaktor-Sicherheitskommission, Lothar Hahn, der
Süddeutschen
Zeitung. Er könne sich dies kaum vorstellen; aber
möglich sei es, wenn
die USA tatsächlich Abfälle aus der
Wiederaufarbeitung von spaltbarem
Material benutzen würden. Die österreichische Zeitung
Der Standard
hatte ein Schreiben des US-Energieministeriums vom
Januar 2000
zitiert. Darin heißt es: "Wir glauben, dass winzige
Mengen an Plutonium
im abgereicherten Uran sein können."

Gefahr für die Bevölkerung

Im Forschungszentrum GSF in München-Neuherberg
verfügt man über
keine Informationen darüber. Pressesprecher
Heinz-Jörg Haury betont,
dass die Nato-Soldaten durch Plutonium-Spuren in der
Munition nicht
gefährdet wären; wohl aber die Menschen im Kosovo,
zum Beispiel
Kinder, die auf zerschossenen Panzern spielten.
Deshalb seien
Untersuchungen an Ort und Stelle nötig. "Wir halten
das für äußerst
unwahrscheinlich, aber wir können es auch nicht
ausschließen", sagt
Paul Roth von der GSF über die Plutonium-Theorie.
Denn die
Wissenschaftler, die nach Uran-Spuren im Urin von
Soldaten suchten,
haben darauf nicht geachtet. Ein Test, der die
spezifische Strahlung von
Plutonium und anderer Stoffe misst, die es begleiten
müssen, ein
"Gamma-Spektrum" der Proben, sei nicht gemacht
worden. "Daran
haben wir gar nicht gedacht."

Verunreinigung möglich
Schon im September 1999, also kurz nach Beginn des
Überwachungsprogramms bei der Bundeswehr, hatte das
amerikanische Verteidigungsministerium eine
Presseerklärung
herausgegeben, nach der in abgereichertem Uran, das
für die
Panzerung amerikanischer Armee-Fahrzeuge benutzt
wurde,
"wahrscheinlich Spuren von Transuranen" enthalten
seien. Zu diesen
gehört das Plutonium. Da das Material für die
Panzerung und für die
Granaten vermutlich aus derselben Quelle stammt, wäre
so auch eine
Verunreinigung der Munition möglich.

Nicht die Strahlung, sondern die Giftigkeit

Der Begriff "Spuren von Transuranen" ist jedoch
dehnbar. Da Plutonium
pro Gramm eine um einen Faktor 57 000 höhere
Strahlung besitzt,
könnte schon eine Verunreinigung von 0,017 Promille
die
Strahlenbelastung verdoppeln. Wie Uran sendet
Plutonium
Alpha-Strahlen aus, die zwar schon durch ein Blatt
Papier abzuschirmen
sind, aber im Körper großen Schaden anrichten, wenn
das Metall etwa
als Staub eingeatmet wird.

Plutonium kommt in der Natur nicht vor

Abgereichertes Uran (nach seiner englischen
Bezeichnung DU
abgekürzt) entsteht als Abfallprodukt, wenn im
Natururan das Verhältnis
zwischen dem Uran-Isotop U-238 und dem selteneren
spaltbaren U-235
verändert wird. Diese Anreicherung ist notwendig,
damit Atomkraftwerke
etwas mit dem Uran anfangen können. Zurück bleibt DU.

Plutonium aber kommt in der Natur nicht vor, sondern
entsteht erst bei
einer Kettenreaktion in einem Atomreaktor. Damit also
Plutonium in das
DU der Granaten hätte geraten können, hätte es seinen
Weg über eine
Wiederaufarbeitungsanlage nehmen müssen. Das sei zwar
theoretisch
denkbar, aber praktisch unmöglich, sagt Lutz
Fleischer vom Deutschen
Atomforum. In den europäischen Fabriken in Sellafield
und La Hague
würde das abgereicherte Uran "liegen bleiben". Auch
Experten von
Greenpeace und dem Ökoinstitut in Darmstadt sehen
keinen Weg, wie
DU aus der Wiederaufbereitung in die Granaten gelangt
sein könnte.
"Die Firmen benutzen das wiedergewonnen Uran nicht
bei der
Anreicherung, weil sie sich dann ihre Maschinen
versauen und einen
höheren Sicherheitsstandard anlegen müssten", sagt
Christian Küppers
vom Ökoinstitut.

Aus der Waffenproduktion

Die USA besitzen zurzeit keine zivilen
Wiederaufbereitungsanlagen. Die
Transurane müssten aus einer der
US-Atomwaffen-Produktionseinrichtungen stammen, die
unter der Obhut
des Energieministeriums stehen. "Rezykliertes Uran,
das direkt von
unseren Produktionseinrichtungen, etwa Hanford kommt,
wird
normalerweise Transurane nur in sehr geringem Umfang
enthalten",
heißt es in dem erwähnten Brief des
US-Energieministeriums an das
private "Military Toxics Project". Gustav
Meyer-Kretschmer von der Firma
Urenco in Jülich, die angereichertes Uran herstellt,
verweist auf Versuche
der Amerikaner mit der Wiederaufbereitung in den 60er
Jahren.
"Vielleicht stammen ein bis zwei Prozent ihres DU aus
dieser Zeit."

Statt Plutonium könnte allenfalls ein anderes
Uran-Isotop aus der
Wiederaufbereitung der Amerikaner seinen Weg in das
DU gefunden
haben, schreibt Vladimir Zajic auf seiner Homepage im
Internet. Der
gebürtige Tscheche ist Physiker und arbeitet beim
nationalen
Kernforschungszentrum in Brookhaven bei New York.
Durch das Isotop
Uran-236 bekomme das DU eine um ein halbes Prozent
erhöhte
Alpha-Strahlung. Das deckt sich mit Angaben des
Pentagons. Nach
Aussagen von Barbara Goodnovom vom Büro für
Golf-Kriegs-Krankheiten - auch am Golf wurde die
Uran-Munition
eingesetzt - ist die Strahlung bei den geprüften
Panzerplatten durch die
Verunreinigung um höchstens ein Prozent erhöht.


SZ vom 18.01.2001, Politik
Suche nach winzigen Spuren

Munition kann mit Plutonium verunreinigt sein / Von
Christopher Schrader und Martin Urban

"Wenn es wahr sein sollte, dass die Nato uranhaltige
Munition
verwendet, die in Spuren Plutonium enthält, dann ist
eine neue
Dimension der Diskussion" erreicht. Das sagte der
Vorsitzende der
Reaktor-Sicherheitskommission, Lothar Hahn, der
Süddeutschen
Zeitung. Er könne sich dies kaum vorstellen; aber
möglich sei es, wenn
die USA tatsächlich Abfälle aus der
Wiederaufarbeitung von spaltbarem
Material benutzen würden. Die österreichische Zeitung
Der Standard
hatte ein Schreiben des US-Energieministeriums vom
Januar 2000
zitiert. Darin heißt es: "Wir glauben, dass winzige
Mengen an Plutonium
im abgereicherten Uran sein können."

Gefahr für die Bevölkerung

Im Forschungszentrum GSF in München-Neuherberg
verfügt man über
keine Informationen darüber. Pressesprecher
Heinz-Jörg Haury betont,
dass die Nato-Soldaten durch Plutonium-Spuren in der
Munition nicht
gefährdet wären; wohl aber die Menschen im Kosovo,
zum Beispiel
Kinder, die auf zerschossenen Panzern spielten.
Deshalb seien
Untersuchungen an Ort und Stelle nötig. "Wir halten
das für äußerst
unwahrscheinlich, aber wir können es auch nicht
ausschließen", sagt
Paul Roth von der GSF über die Plutonium-Theorie.
Denn die
Wissenschaftler, die nach Uran-Spuren im Urin von
Soldaten suchten,
haben darauf nicht geachtet. Ein Test, der die
spezifische Strahlung von
Plutonium und anderer Stoffe misst, die es begleiten
müssen, ein
"Gamma-Spektrum" der Proben, sei nicht gemacht
worden. "Daran
haben wir gar nicht gedacht."

Verunreinigung möglich

Schon im September 1999, also kurz nach Beginn des
Überwachungsprogramms bei der Bundeswehr, hatte das
amerikanische Verteidigungsministerium eine
Presseerklärung
herausgegeben, nach der in abgereichertem Uran, das
für die
Panzerung amerikanischer Armee-Fahrzeuge benutzt
wurde,
"wahrscheinlich Spuren von Transuranen" enthalten
seien. Zu diesen
gehört das Plutonium. Da das Material für die
Panzerung und für die
Granaten vermutlich aus derselben Quelle stammt, wäre
so auch eine
Verunreinigung der Munition möglich.

Nicht die Strahlung, sondern die Giftigkeit

Der Begriff "Spuren von Transuranen" ist jedoch
dehnbar. Da Plutonium
pro Gramm eine um einen Faktor 57 000 höhere
Strahlung besitzt,
könnte schon eine Verunreinigung von 0,017 Promille
die
Strahlenbelastung verdoppeln. Wie Uran sendet
Plutonium
Alpha-Strahlen aus, die zwar schon durch ein Blatt
Papier abzuschirmen
sind, aber im Körper großen Schaden anrichten, wenn
das Metall etwa
als Staub eingeatmet wird.

Plutonium kommt in der Natur nicht vor

Abgereichertes Uran (nach seiner englischen
Bezeichnung DU
abgekürzt) entsteht als Abfallprodukt, wenn im
Natururan das Verhältnis
zwischen dem Uran-Isotop U-238 und dem selteneren
spaltbaren U-235
verändert wird. Diese Anreicherung ist notwendig,
damit Atomkraftwerke
etwas mit dem Uran anfangen können. Zurück bleibt DU.

Plutonium aber kommt in der Natur nicht vor, sondern
entsteht erst bei
einer Kettenreaktion in einem Atomreaktor. Damit also
Plutonium in das
DU der Granaten hätte geraten können, hätte es seinen
Weg über eine
Wiederaufarbeitungsanlage nehmen müssen. Das sei zwar
theoretisch
denkbar, aber praktisch unmöglich, sagt Lutz
Fleischer vom Deutschen
Atomforum. In den europäischen Fabriken in Sellafield
und La Hague
würde das abgereicherte Uran "liegen bleiben". Auch
Experten von
Greenpeace und dem Ökoinstitut in Darmstadt sehen
keinen Weg, wie
DU aus der Wiederaufbereitung in die Granaten gelangt
sein könnte.
"Die Firmen benutzen das wiedergewonnen Uran nicht
bei der
Anreicherung, weil sie sich dann ihre Maschinen
versauen und einen
höheren Sicherheitsstandard anlegen müssten", sagt
Christian Küppers
vom Ökoinstitut.

Aus der Waffenproduktion

Die USA besitzen zurzeit keine zivilen
Wiederaufbereitungsanlagen. Die
Transurane müssten aus einer der
US-Atomwaffen-Produktionseinrichtungen stammen, die
unter der Obhut
des Energieministeriums stehen. "Rezykliertes Uran,
das direkt von
unseren Produktionseinrichtungen, etwa Hanford kommt,
wird
normalerweise Transurane nur in sehr geringem Umfang
enthalten",
heißt es in dem erwähnten Brief des
US-Energieministeriums an das
private "Military Toxics Project". Gustav
Meyer-Kretschmer von der Firma
Urenco in Jülich, die angereichertes Uran herstellt,
verweist auf Versuche
der Amerikaner mit der Wiederaufbereitung in den 60er
Jahren.
"Vielleicht stammen ein bis zwei Prozent ihres DU aus
dieser Zeit."

Statt Plutonium könnte allenfalls ein anderes
Uran-Isotop aus der
Wiederaufbereitung der Amerikaner seinen Weg in das
DU gefunden
haben, schreibt Vladimir Zajic auf seiner Homepage im
Internet. Der
gebührtige Tscheche ist Physiker und arbeitet beim
nationalen
Kernforschungszentrum in Brookhaven bei New York.
Durch das Isotop
Uran-236 bekomme das DU eine um ein halbes Prozent erhöhte
Alpha-Strahlung. Das deckt sich mit Angaben des
Pentagons. Nach
Aussagen von Barbara Goodnovom vom Büro für
Golf-Kriegs-Krankheiten - auch am Golf wurde die
Uran-Munition
eingesetzt - ist die Strahlung bei den geprüften
Panzerplatten durch die
Verunreinigung um höchstens ein Prozent erhöht.

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Zuletzt geändert: 09.07.2006