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Uranmunition

US-Navy vergiftet Inselbewohner mit DU-Munition
(Von Rainer Rupp)

Die Bewohner von Vieques, einer kleinen, Porto Rico vorgelagerten
karibischen Insel haben die US-Marine auf über 100 Millionen Dollar
Schadensersatz verklagt. Seit 60 Jahren benutzt die US-Marine das 30 Km mal
6 Km große Vieques als Übungs- und Schießplatz für alle Arten von Munition,
einschließlich aus abgereichertem Uran (DU). Die Bewohner begründen ihre
Schadensersatzforderungen damit, dass hauptsächlich die verschossene
DU-Munition für die geradezu epidemische Zunahme von Krebsfällen unter der
Inselbevölkerung verantwortlich ist.

Über ein Drittel der insgesamt 9000 Einwohner von Vieques sind mittlerweile
an Krebs und anderen schweren Krankheiten erkrankt. Die Ärzte führen diese
ungewöhnlich hohe Krankheitsrate auf die Jahrzehnte lange Vergiftung der
Insel durch amerikanische Bomben und Granaten, vor allem aber auf den
intensiven Gebrauch von DU-Munition zurück.

Aus den offiziellen puertoricanischen Zahlen geht hervor, daß sich die
Krebsfälle unter den Bewohnern der Insel explosionsartig vermehrt haben.
Die britische BBC berichtete jüngst, dass z.B. bei die Fälle von Brust- und
Uteruskrebs in den letzten 20 Jahren um 300% gestiegen sind. Deshalb - so
die BBC - wird die Gerichtsverhandlung, die die Einwohner von Vieques gegen
die US-Navy angestrengt haben, "von den Regierungen der NATO-Länder, die
Soldaten ins Kosovo und in den Golf-Krieg geschickt haben, genau beobachtet
werden, weil auch dort eine Verbindung zwischen der Benutzung von
DU-Munition und Leukämieerkrankungen vermutet wird." ("Cancer surge on bomb
range island", BBC, By Matthew Chapman on Vieques, Sunday, 4 February,
2001, 07:53 GMT)

Mit Hilfe des amerikanischen "Freedom of Information Act" gelang es den
amerikanischen Anwälten der betroffenen Inselbewohner, die in Mississippi
beheimatete Anwaltsfirma John Arthur Eaves, die amerikanische Marine zu
zwingen, öffentlich einzugestehen, daß sie DU-Munition auf der Insel
verschossen hat. Die US-Navy erklärte, daß dies im Jahre 1999 und nur
einmal der Fall gewesen sei. Der Fehler sei geschehen, weil ein Flugzeug
irrtümlich mit der falschen Munition beladen worden sei. Die Navy habe
anschließen versucht, die radioaktiven Projektile und Granathülsen zu finden
und zu entsorgen, aber sie hätte nur etwa 50 Stück gefunden. Dieser
Darstellung widersprechen aber - so die BBC - von Wissenschaftlern
durchgeführte Bodenuntersuchungen, die belegen, daß der Schießplatz seit
mindestens einem Jahrzehnt systematisch mit DU-Munition bombardiert worden
ist.

Die US-Navy besteht jedoch darauf, daß "einige Hundert DU-Projektile" nicht
genug sind, ein Gesundheitsrisiko darzustellen. Menschenverachtend erklärt
der US Navy Commander John Carerra, dass alles nur eine anti-amerikanischen
Kampagne sei: "Geschichten von Krebs und Krankheiten sind nur Teil einer
Desinformationskampagne von Leuten, denen unsere Anwesenheit hier nicht
gefällt." Ebenso menschenverachtend hat der deutsche Bundestag am
Donnerstagabend mit großer Mehrheit die von der PDS geforderte Einsetzung
eines Untersuchungsausschusses zum Einsatz uranhaltiger Munition auf dem
Balkan durch die NATO abgelehnt. Statt dessen warfen SPD und Grüne der PDS
vor, sie wolle die Ängste in der Bevölkerung zu diesem Thema
instrumentalisieren. Ein Untersuchungsausschuss sei nicht geeignet,
schnelle Aufklärung über mögliche Gefahren durch die Uran-Munition zu
schaffen. ("Untersuchungsausschuss zu Uran-Munition abgelehnt", DPA,
9.2.01)

In gleicher Angelegenheit ist die Opposition der Regierung ihrer britischen
Majestät in London ganz anderer Ansicht. Unterstützt von Kriegsveteranen
verlangte der Schattenverteidigungsminister der Konservativen mit neuem
Nachdruck eine öffentliche Untersuchung der DU-Problematik, nachdem am
Mittwochabend im Parlament bekannt geworden war, dass die Blair-Regierung
die gewählten Volksvertreter "falsch informiert", also belogen hatte.
Verteidigungsstaatssekretär John Spellar sah sich zu dem Eingeständnis
gezwungen, dass die Blair Regierung im Gegensatz zu früheren Behauptungen
nur einen Teil der auf den Balkan geschickten Soldaten über die mit
DU-Munition verbundenen Gesundheitsgefahren aufgeklärt hatte. ("Kosovo
troops 'not all warned'", The Times, BY MICHAEL EVANS, DEFENCE EDITOR,
THURSDAY FEBRUARY 08 2001

Griechische Demonstranten waren dagegen in der Nacht von Montag auf Dienstag
nicht länger bereit, die Vertuschungen der NATO hinzunehmen. In
Nordgriechenland blockierten sie die Durchfahrt eines aus dem Kosovo
kommenden KFOR-Konvois. Der Polizei erklärten sie, bevor die Fahrzeuge
nicht auf radioaktiven Staub untersucht würden, wollten sie diese nicht
durchlassen. ("Nato convoy held up over radioactivity", ATHENS NEWS,
06/02/2001, page: A01)
Sbg., den 9.1.01


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Zuletzt geändert: 09.07.2006