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Uranmunition

 

Der "jungen Welt" war zu entnehmen:
"Scharping zitierte auch eine offizielle Auskunft der US- Streitkräfte,
wonach die umstrittene Munition in Deutschland nicht eingesetzt werde.
Allerdings sei bei zwei Zwischenfällen - 1985 in Altenwalde und 1986
in Grafenwöhr - jeweils einmal ein Urangeschoß gegen bestehende
Weisungen verfeuert worden. Das Erdreich in den betroffenen
Schießanlagen sei danach ausgetauscht und in die USA geflogen worden.
Zu Zeiten der Ost-West-Konfrontation in den 80er Jahren gehörte die
Ausrüstung mit dieser Munition nach Angaben von Bundeswehroffizieren
zur Gefechtsbewaffnung auch bei der Bundeswehr. Dies sei aber geändert
worden und jetzt nicht mehr der Fall."
Kommentar:
Für den Kosovo meint derselbe Scharping unter Bezugnahme auf UNEP, es
genüge, den verseuchten Boden unterzupflügen!



junge Welt Ausland
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20.01.2001

WHO schickt Expertenteam auf Uransuche ins Kosovo
UNO warnt Mitarbeiter vor möglichen Gefahren. Belgische Soldaten
verklagen Regierung in Brüssel
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Rund 18 Monate nach Ende des Krieges gegen Jugoslawien entsendet die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Expertenteam in das Kosovo, um
die Auswirkungen von Uranmunition auf die Gesundheit der dortigen
Bevölkerung zu untersuchen. Wie ein WHO-Sprecher am Freitag in Genf
mitteilte, soll die Mission am Montag beginnen und eine Woche dauern.
Bei den Untersuchungen gehe es jedoch nicht ausschließlich um die
etwaigen Folgen der von der NATO im Krieg gegen Jugoslawien
verwendeten Munition, sondern auch um den Zustand des Gesundheitswesen
im Kosovo insgesamt, sagte WHO-Sprecher Mike Repacholi.

Obwohl man es in New York nicht zuletzt aus Erfahrungen im Irak
eigentlich besser wissen könnte, haben die Vereinten Nationen erst
jetzt sämtliche Mitarbeiter auf dem Balkan vor dem Kontakt mit Resten
von Munition aus abgereichertem Uran gewarnt. Die Gesundheit von
UN-Personal stehe bei diesen Überlegungen an erster Stelle, heißt es
aus dem Hauptquartier in New York. Wie der beigeordnete UN-
Generalsekretär für Personalwesen, Rafiah Salim, am Donnerstag
(Ortszeit) erklärte, überwachen die UN die Situation genau, solange
keine weiteren Erkenntnisse über die Gefährdung von Menschen durch die
Uranmunition vorlägen. Eine Studie des UN-Umweltprogramms (UNEP), die
auf zahlreichen im Kosovo und in Serbien gesammelte Proben basiert,
wird nicht vor März vorliegen.

Allerdings zeichnet sich seit Donnerstag möglicherweise eine
entscheidende Wende in der Diskussion um die Frage ab, ob
abgereichertes Uran Leukämie verursachen kann. Untersuchungen der
Munitionsreste im Auftrag der UN ergaben auch Spuren des künstlichen
Isotops Uran-236. Der in der Natur nicht vorkommende Stoff entsteht
nur beim Einsatz von Uran in Kernkraftwerken. Wo sich jedoch Uran-236
bildet, da entsteht zugleich auch immer Plutonium.

Während die NATO am Donnerstag darauf verwies, daß Verunreinigungen
von abgereichertem Uran mit Plutonium längst bekannt seien, vermutet
jetzt eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern Plutonium als Ursache
für die Blutkrebsfälle unter Balkan-Soldaten. Dazu würde auch der
zeitliche Abstand von zwei bis drei Jahren zwischen
Strahlungsexposition und Erkrankung passen.

In Belgien haben inzwischen wegen des sogenannten Balkan-Syndroms
Soldaten Klage gegen die Regierung in Brüssel eingereicht. Dabei geht
es zunächst um drei Fälle, in denen die Betroffenen ihre
Gesundheitsprobleme auf den Einsatz von DU-Munition in Bosnien und im
Kosovo zurückführen, wie die Anwälte der Kläger am Donnerstag
mitteilten. Einer der Soldaten ist bereits an Krebs gestorben. »Wir
müssen einen Zusammenhang zwischen den Krankheiten und den Einsätzen
herstellen«, sagte der Anwalt Jan de Brabanter zu der Klage, die am
Dienstag eingereicht worden war. Die Soldaten werfen der Regierung
vor, von Gesundheitsrisiken beim Einsatz auf dem Balkan gewußt zu
haben.






junge Welt Ausland
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10.01.2001

Verbrechen dauert an
London und Washington Desinformation in Sachen DU- Munition
vorgeworfen
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»Die Bosnier, die die Zunahme von Krebsfällen untersuchen, können
keine Informationen von der NATO erhalten. Das ist kein Skandal, das
ist ein Verbrechen«, schrieb am Dienstag Robert Fisk in einem Artikel
in der linksliberalen britischen Tageszeitung The Independent mit dem
Titel »Die Wahrheit über abgereichertes Uran«. Der über die Grenzen
Großbritanniens bekannte, NATO-kritische Fisk war einer der wenigen
westlichen Journalisten, die während des gesamten NATO-Angriffskrieges
aus Jugoslawien berichteten und so auch die schrecklichen Wirkungen
der modernen Kriegsführung auf die Zivilbevölkerung beschreiben
konnten. Weil Fisk nicht wie viele seiner Kollegen den »humanitären
Krieg« der »neuen NATO« verherrlicht hatte, versuchten interessierte
Kreise, ihn als jugoslawische Marionette zu diffamieren.

In seinem jüngsten Artikel erinnert sich Fisk, wie er im April 1999
neben einer alten ottomanischen Brücke im südlichen Kosovo eines der
NATO-Schlachtfelder besuchte. »NATO-Jets hatten einen Konvoi
albanischer Flüchtlinge bombardiert und Dutzende von ihnen in den
umliegenden Feldern zerfetzt. Die NATO-Jets, das wußte ich schon
damals, hatten DU-Munition abgefeuert.« Als Fisk ein halbes Jahr
später an denselben Ort im Kosovo zurückkehrte, fand er neben der
Brücke »genau an der Stelle, wo eine Bombe eine ganze
Flüchtlingsfamilie auf ihrem Traktor zerrissen hatte«, fünf
italienische KFOR-Soldaten, die dort einen kleinen Kontrollpunkt
gebaut hatten.

»Ich versuchte sie zu warnen, daß sie auf einer verseuchten Stelle
stehen. Ich klärte sie über abgereichertes Uran auf, sprach über die
Krebsfälle, die unter irakischen Kindern grassieren, die entweder
selbst oder deren Eltern in der Nähe von DU-Explosionen gewesen waren.
Einer der jungen Soldaten lachte mich aus. Er habe diese Geschichten,
gehört. Aber die NATO hätte ihren Soldaten versichert, daß von
abgereichertem Uran keine Gefahr ausginge. Und ich wurde von den
Soldaten aufgefordert, mich nicht um sie zu sorgen. Sie hätten es
besser wissen müssen«, so Fisk.

Nur einige Wochen vor diesem Vorfall hatte ein Team von
UNO-Wissenschaftlern, die ins Kosovo geschickt worden waren, um die
Gefährlichkeit der Urangeschosse zu untersuchen, von der NATO
vergeblich Auskunft über die mit DU-Munition beschossenen Gebiete
verlangt. Die NATO lehnte schlicht weg ab. »Das überraschte mich
nicht«, fährt Fisk in seinem Bericht fort, »denn vom ersten Tag des
NATO- Bombardements an hat das Bündnis über die DU-Munition gelogen.
Genau wie die amerikanische und britische Regierung immer noch über
deren Auswirkungen im südlichen Irak während des Golfkrieges 1991
lügen.«

Fisk hatte die Schlachtfelder um die irakische Stadt Basra besucht und
war auf »schreckliche neue Krebsfälle unter den Menschen, die dort
leben, gestoßen«. Auch genetische Schäden wurden deutlich. »Babys
wurden ohne Arme, ohne Beine, ohne Augen geboren. Kinder hatten
interne Blutungen oder entwickelten plötzlich groteske Tumore. Und -
unnötig zu erwähnen - UNO-Sanktionen verzögerten oder verhinderten,
daß diese armen Teufel die notwendige Medizin bekamen.«

Genau wie Rudolf Scharping und seine Militärs heute belächelten damals
britische Minister die alarmierenden Berichte. Dabei beriefen sich die
Briten genau wie jetzt Scharping auf die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) und - genau wie jetzt der deutsche Verteidungsminister -
verwiesen sie darauf, daß es keine gesicherten Daten über die
Zusammenhänge zwischen dem »Golfkriegssyndrom« und der DU-Munition
gäbe.

Selbstverständlich konnte es keine in Großuntersuchungen
wissenschaftlich gesicherten Daten geben. Die WHO, die wiederholt von
Bagdad eingeladen wurde, die neue und ungewöhnliche Krebshäufung im
Irak zu untersuchen, war immer wieder von amerikanischen und
britischen Stellen daran gehindert worden.

In all den Jahren seien Dokumente, die den Zusammenhang zwischen
DU-Munition und Golfkriegssyndrom nachgewiesen hätten, als
wissenschaftlich ungeeignet abgetan worden, klagt Fisk. »Selbst ein
Bericht des amerikanischen Militärs, der die Gesundheitsgefahren von
DU-Munition genau schilderte und deshalb die Unterdrückung der
Informationen forderte, wurde von den Politikern pflichtbewußt
ignoriert.« Vor zwei Jahren schrieb Robert Fisk über einen britischen
Regierungsbericht, der genau schildert, welche außerordentlichen
Vorsichtmaßnahmen das Militär in die Wege geleitet hat, wenn es auf
den Schießständen in Großbritannien DU- Munition testet. In Cumbria
wurden demnach die Granaten in einen Tunnel hinein abgefeuert. Der von
der Einschlagsexplosion resultierende Staub wurde aufgefangen und in
Behältern aus Beton versiegelt und begraben.

Als erstes sei er damals von einem Beamten des
Verteidigungsministeriums gefragt worden, ob er wegen des Aufdeckens
dieser Zusammenhänge strafverfolgt werden könnte, schrieb Fisk am
Dienstag und verwies auf weitere Vertuschungsbemühungen der britischen
Regierung. So sei zum Beispiel das Haus eines am Golfkriegssyndrom
erkrankten Soldaten, der in der Öffenlichkeitsarbeit aktiv war, von
der britischen Polizei bei der Suche nach angeblichen
»Geheimdokumenten« auf den Kopf gestellt worden.

»Ehrenhaftere Polizisten hätten vielleicht an anderer Stelle nach
Dokumenten gesucht, die die DU-Gefahren nachweisen und die als
Grundlage der Anklage gegen hohe Offiziere und Politiker wegen
Totschlags liefern würden«, meinte Fisk dazu. »Aber selbstverständlich
versuchte die Polizei, die undichte Stelle zu finden, über die das
Dokument in die Öffentlichkeit kam, statt die Ursache für den Krebs
der sterbenden Männer.«

Während des NATO-Krieges reiste Fisk von Belgrad nach Brüssel, um sich
im NATO-Hauptquartier über den Einsatz von DU-Munition zu erkundigen.
Dabei erzählte ihm der deutsche Luftwaffengeneral Walter Jertz, daß
abgereichertes Uran »harmlos« sei und in Bäumen, in der Erde und in
den Bergen gefunden würde. Eine glatte Lüge.

Wieder zurück im Kosovo, erklärte ein britischer Offizier Fisk in
einem privaten Gespräch, daß die Amerikaner soviel DU-Munition im
Krieg gegen Serbien verwendet hatten, daß sie nun keine Ahnung hätten,
wie viele Gebiete verseucht sind. »Zugleich versuchen die Amerikaner
und Briten, uns weiter zu täuschen. Unverfroren verkünden jetzt die
Amerikaner, daß es unter ihren Truppen im Kosovo keine Fälle von
Leukämie gibt.« Seltsam nur, so Fisk, sie vergessen zu erwähnen, daß
die meisten US-Soldaten im Kosovo im Camp Bondsteel nahe der
mazedonischen Grenze stationiert sind, wo die NATO keine DU-Munition
abgefeuert hat. Mit keinem Wort schließlich würde Washington die
Zigtausende amerikanischen Soldaten erwähnen, die ihre Krankheit auf
eine Verseuchung im Golfkrieg zurückführen. »Britische Veteranen
sterben an unerklärten Krebsarten aus dem Golfkrieg. Ebenso die US-
Veteranen. Und jetzt sind NATO-Truppen aus Bosnien und dem Kosovo
dran, besonders Italiener sterben an unerklärten Krebsfällen. Wie die
Kinder in den Krankenhäusern von Basra, zusammen mit ihren Eltern und
Onkeln und Tanten. Und den bosnischen Behörden, die die Zunahme von
Krebsfällen erforschen wollen, verweigert die NATO die notwendigen
Informationen. Dieses ist kein Skandal, es ist ein Verbrechen.«







18.01.2001

»Tödliche Lügen«
Hochgiftiges Plutonium in US-amerikanischen Urangeschossen
festgestellt
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Neue Hiobsbotschaften zur Uran-Munition: Nach Angaben des
ARD-Fernsehmagazins MONITOR enthalten die während des Krieges gegen
Jugoslawien von NATO- Kampfjets benutzten Geschosse auch geringe
Mengen hochgiftigen Plutoniums. Daß die sogenannte DU-Munition (DU
steht für abgereichertes Uran, engl. depleted uranium) Spuren von
Plutonium enthält, habe mit der Munitionsherstellung zu tun. Danach
ist sogar laut US- Energieministerium das verwendete abgereicherte
Uran zwangsläufig mit Plutonium verunreinigt. Eine Substanz, die
selbst in geringsten Mengen stark krebserregend wirkt.

Glaubt man dagegen den Beteuerungen von Minister Scharping und
NATO-Sprechern, ist die vom britischen und US-amerikanischen Militär
verwendete Uranmunition »weitgehend sicher«. Gemeint ist damit: Eigene
Soldaten sind nach Ende eines Krieges bei ihrem Einsatz auf dem Balkan
nicht erhöhten gesundheitlichen Gefährdungen ausgesetzt. Das
Bemerkenswerte an derartigen Äußerungen ist, daß hier nicht nur die
Zivilbevölkerung in den Kriegsgebieten kurzerhand ausgeklammert wird.
Inzwischen ist auch klar, daß mit solchen Behauptungen eigene
Untersuchungen negiert, brisante Berichte nicht bekanntgemacht und
Erfahrungen mit Uranmunition schlicht unter den Teppich gekehrt
werden.

In der aktuellen Ausgabe des »Spiegel« ist ein Interview mit dem
US-amerikanischen Physiker und Waffenexperten Doug Rokke abgedruckt,
in dem dieser erklärt die NATO habe im Bosnien- und Kosovo-Einsatz
»mutwillig und wissentlich ganze Landstriche verseucht«. Statt sich
des Zusammenhangs zwischen Uranmunition und der Erkrankungen von
Zivilisten und Soldaten zu stellen, so Rokke weiter, würden in den USA
medizinische Untersuchungen vom Verteidigungsministerium unterdrückt
und verschleppt. »Die medizinische Nachsorge hätte rückwirkend mehrere
tausend frühere US-Soldaten umfaßt und Behandlungskosten und
Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe nach sich gezogen.« Schon
wegen der finanziellen Folgen versuche das Pentagon, hier zu mauern
und zu vertuschen.

Daß dieses Verhalten kein US-spezifisches Phänomen ist, zeigt
unterdessen der Blick auf Ereignisse und Vertuschungsbemühungen auch
in Deutschland. Für die kritische Öffentlichkeit ist es in der Debatte
um den Krieg gegen Jugoslawien schon länger weitgehend unstrittig:
Äußerungen von Minister Scharping und andere offizielle Stellungnahmen
müssen als Teil einer Kriegs- und Lügenpropaganda gewertet werden, die
die Vorbereitung und Durchführung des Krieges gegen Jugoslawien
begleitete und auch nach dessen Ende bis heute ihre Fortführung
findet. Neu ist nun, daß inzwischen auch die breite Öffentlichkeit im
Zuge der Diskussion um die Verwendung der Urangeschosse mit diesen
Aspekten der NATO-Kriegspolitik konfrontiert wird - und es hier
gegenwärtig durchaus deutliche Worte gibt. So schreibt der »Spiegel«:
»Aussagen wie die von Rokke gelten Scharping schlicht als >Hysterie<.
So spricht derselbe Minister, der sich während des Kosovokrieges nicht
scheute, den Wehrwillen der Deutschen mit Halb- und Unwahrheiten über
angeblich Zehntausende ermordeter Albaner anzustacheln, über
Masseninternierung im Stadion von Pristina und einen ominösen
Hufeisenplan, der offenbar nicht vom serbischen Generalstab, sondern
weitgehend von der Bonner Hardthöhe stammte.«

Während sich die Hardthöhe in Vorkriegs- und Kriegszeiten hier von
ihrer »phantasievollen Seite« zeigte und mit Lügen für die rechte
Angriffsstimmung sorgte, galt es in der Vergangenheit im Gegenzug mit
offenkundig bewußt inszenierten Vertuschungen, den »Wehrwillen« weiter
hochzuhalten. Das hat Tradition. Ein Beispiel hierfür waren auch die
Reaktionen nach dem Absturz eines US-Kampfjets vom Typ F-10 im
Dezember 1988. Als das Flugzeug auf die westdeutsche Stadt Remscheid
stürtzte, kam es in den Jahren danach unter den Anwohnern des
betroffenen Wohnsiedlung zu einer Vielzahl rätselhafter Krankheiten
und einer Häufung von Tumorerkrankungen. Die Anwohner sind sich heute
sicher, daß der Absturz jenes Jets, der später auch in den Kriegen
gegen den Irak und Jugoslawien DU-Munition verschossen hat, Grund für
die Zunahme der Krebserkrankungen und Vergiftungserscheinungen ist.

Mehr als hundert Menschen sind in der Umgebung der Absturzstelle seit
1988 auf mysteriöse Weise erkrankt, berichtet Veronika Wolf,
Sprecherin der Bürgerinitiative »Absturz«. Zwar hätten Mitarbeiter der
Zentralstelle für Strahlenschutz keine erhöhte Radioaktivität
festgestellt. Und die US-Amerikaner versuchten schnell, die
Bevölkerung mit der Erklärung zu beruhigen, der Jet habe nur harmlose
Übungsmunition an Bord gehabt. Doch Anwohner »erinnern sich an
Merkwürdigkeiten. Ein Augenzeuge sagte, daß er in seinem Vorgarten
zwei Arten von Munition gesehen habe«. Außerdem sei die Unfallstelle
»durch rote Schilder mit der Warnung vor Radioaktivität abgesperrt
worden«. Wohl aus gutem Grund. Immer wieder war unmittelbar nach dem
Absturz Munition im Flugzeugwrack explodiert. Später hatte ein
herbeigeeilter US-Soldat gegenüber Anwohnern geäußert, daß an diesem
Ort nie wieder Kinder spielen dürften. Er wurde von Vorgesetzten
zurückgepfiffen.

Nun hofft die Mutter eines fünfjährigen Jungen, der damals an Leukämie
erkrankte und kurz darauf starb, daß von Behörden und der US-Armee
verschwiegene Fakten doch noch bekannt werden. Der »Spiegel« zitiert
sie mit den Worten: »Wir sind sicher, daß Sebastian streben mußte,
weil dieser Flieger abstürzte. Vielleicht kommt nach den Berichten
über amerikanische Uran-Einsätze im Kosovo endlich die Wahrheit über
Remscheid heraus.«

Daß noch in anderen Fällen unangenehme Fakten möglicherweise bewußt
geleugnet oder verschwiegen wurden, zeigt ein weiteres Beispiel, das
für die PDS- Bundestagsabgeordnete Heidi Lippmann Grund genug war zu
fragen: »Wie ernst nimmt Scharping seine Fürsorgepflicht für
Soldaten?« Eine Auftragsstudie bei Radartechnikern der Bundeswehr hat
ergeben, daß von 99 in den letzten Jahrzehnten erfaßten
Bundeswehrangehörigen 69 an Krebs erkrankt und 24 verstorben sind.
Diese Fälle hätten »Regierung und Parlament längst beschäftigen
müssen« (Lippmann), aber offenkundig wolle man
»Entschädigungsleistungen an die Leidtragenden vermeiden«.

Daß beim Thema »Uranmunition« in der Vergangeheit jedenfalls vieles
schlicht unter Verschluß gehalten wurde, ist für den deutschen
Tropenmediziner Siegwart-Horst Günther aus eigener Anschauung deutlich
geworden. Günther, schon vor dem Golfkrieg als Gastprofessor in Bagdad
tätig, hatte nach seiner Rückkehr in den Irak die Folgen der erstmals
1991 beim Golfkrieg in großem Umfang eingesetzten DU-Munition vor
Augen. Günter ist überzeugt: Diese radioaktive und chemisch sehr
giftige Munition bewirkt einen Zusammenbruch des Immunsystems, schwere
Störungen der Niere, der Leber und der Lunge, Leukämie, bösartige
Hautgeschwulste und andere Krebsarten.

Für NATO-Generalsekretär George Robertson sind alle diese Fakten
jedoch nur Anlaß zu fordern: »Wir müssen die Menschen überzeugen, daß
es keine dauerhaften Schäden gibt«.

Thomas Klein

Rainer Rupp

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Zuletzt geändert: 09.07.2006