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Uranmunition

Lange totgeschwiegen
Gefahr von Uranmunition in der NATO bekannt. Studienergebnisse ignoriert

Das Pentagon weist jede Verantwortung von sich, die Hardthöhe weiß von nichts und sieht keinen Zusammenhang, und die übrigen europäischen NATO-Partner scheinen überrascht von den todbringenden Folgen abgereicherter Uranmunition. Dabei hat ein beim US- Verteidigungsministerium angestellter Wissenschaftler bereits 1991, kurz nach dem Golfkrieg, die amerikanische und britische Regierung über die Gesundheitsgefährdung der eigenen Soldaten durch verschossene DU-Munition gewarnt. Umsonst. Professor Doug Rokke, ehemaliger Oberst der US- Army und Direktor des Pentagon-Projekts zur Untersuchung des Auswirkung der DU-Munition, hatte schon früh darauf hingewiesen, daß die von der verschossenen Munition freigesetzten, hochgiftigen und strahlenden DU-Partikel Krebs verursachen, das Immunsystem zerstören, zu Geisteskrankheiten und genetischen Veränderungen führen können - mit entsprechenden Geburtsschäden bei den nachfolgenden Generationen.

Das britische Nachrichtenmagazin The Sunday Herald verweist in seiner jüngsten Ausgabe auf ein ihm vorliegendes Geheimdokument des Verteidigungsministeriums in London mit Datum vom 25. Februar 1991 - vier Tage vor Ende des Golfkrieges - in dem vorgeschrieben wird, sogenannte ABC- Schutzanzüge (ABC steht für atomar, biologisch und chemisch) mit unabhängiger Luftzufuhr zu tragen, wenn Soldaten in die Nähe von verschossener DU-Munition kommen. In dem Dokument mit der Referenznummer 25/22/40/2 heißt es, daß die Einatmung auch nur von kleinsten Partikeln ein Gesundheitsrisiko darstellen, das mit dem von Bleioxid vergleichbar sei. Auch DU-Staub auf Lebensmitteln würde den Tatbestand einer Verseuchung erfüllen.

Diese Feststellung untermauert die jetzt vom UNO- Umweltprogramm (UNEP) zum Ausdruck gebrachte Sorge über eine weiträumige Verseuchung des Balkans. Von weit über hundert mittlerweile bekannten Stellen im Kosovo, die von den Kampfflugzeugen der US-Air-Force mit DU-Munition beharkt worden waren, hat UNEP erst elf untersucht und bei acht erhöhte Strahlenwerte gefunden. Auf den mittlerweile wieder bewachsenen Flächen grasen heute Kühe, weshalb der vorläufige
Bericht der UNEP befürchtet, daß auf diese Weise sogar die Milch vergiftet und das Balkan-Syndrom verbreitet wird, ganz abgesehen von den noch nicht abwägbaren Auswirkungen auf das Grundwasser - beides wird allerdings überwiegend die lokale Bevölkerung betreffen, die NATO- Soldaten werden mit externen Gütern versorgt. Hinzu kommt die alarmierende
Tatsache, daß wie im Irak auch in Bosnien- Herzegowina und im Kosovo zahllose Kinder gefundene DU- Projektile als Spielzeug benutzen. Wie bereits im Irak geschehen, kann daher auch auf dem Balkan demnächst mit einer sprunghaften Erhöhung der Leukämie gerechnet werden.

»Wenn seit 1991 in zahllosen Berichten des Pentagon steht, daß die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von DU- Munition nicht bekannt sind, dann ist das eine Lüge«, erklärt Professor Rokke. Er hatte das Pentagon schließlich immer wieder gewarnt. »Ich kann persönlich bestätigen, daß die medizinischen und taktischen Kommandeure alle damit zusammenhängenden Gefahrenmomente kannten.« Nach dem Golfkrieg hatten Rokke und seine Einheit von DU-Munition beschossene Fahrzeuge und die darin gefundenen Körperteile vergraben oder dekontaminiert. Mindestens zehn seiner Kollegen sind bisher gestorben. Der einzige aus seinem 50 Mann starkem Team, der anschließend nicht am Golfkriegssyndrom erkrankte, hatte die ganze Zeit über einen ABC-Schutzanzug getragen. Auch Rokke ist erkrankt. Seiner Meinung nach ist »DU das Zeug, aus dem Alpträume gemacht werden. Es ist hochgiftig, radioaktiv und es verseucht die Umwelt für 4 500 Millionen Jahre. Es verursacht Lymphoma (eine Lymphknotenkrankheit), attackiert das Immunsystem, verursacht neuro-psychotische Krankheiten und genetische Schäden und führt zum Verlust des Kurzzeitgedächnisses.«

Der Sunday Herald zitiert auch aus einem Dokument der amerikanischen »Nuclear Energy Agency« aus dem Jahre 1992, in dem es heißt, daß DU-Partikel ein »ernste Gefahr für die Gesundheit« darstellen.

Auch der britische Spezialist für Strahlung im Niedrigbereichen, Dr. Chris Busby, kam im vergangenen Jahr in einem Bericht für die DU-Arbeitsgruppe der Royal Society nach Untersuchungen im Irak zur Überzeugung, daß die Modelle, von denen britische Regierungsexperten ausgehen, veraltet sind, weil das tatsächliche gesundheitsschädliche Potential von DU bis zu 1 000mal höher ist. Und Professor Malcolm Hooper, ein Mitglied der Interparlamentarischen Gruppe zur Untersuchung des Golfkriegssyndroms, besteht darauf, daß die von Gesundheitsexperten des britischen und amerikanischen Militärs erlassenen Vorschriften in bezug auf DU-Munition »gefährlich veraltet sind«. Der britische Biologe Dr. Roger Coghill verweist darauf, daß »ein einziges DU- Partikel in einer Lymphdrüse bereits verheerende Folgen für das gesamte Immunsystem haben kann«.

Nach Shaun Rusling von der britischen Golfkriegsveteranenvereinigung sind bereits 521 ehemalige britische Soldaten am Golfkriegssyndrom gestorben. Nach einer Zählung der britischen Times ist die vorläufige Zahl der mutmaßlich an den Folgen des Balkan-Syndroms Verstorbenen bis zum Wochenende auf 27 gestiegen. Aber in Anbetracht dessen, daß systematische Reihenuntersuchungen der Soldaten in den meisten Ländern noch gar nicht angefangen haben, dürfte dies erst die Spitze des Eisberges sein. Bruce George, der Labourvorsitzende des parlamentarischen Verteidigungsausschusses in London, hat nun vom britischen Verteidigungsminister Geoff Hoon dringendst Aufklärung verlangt.

Hoon selbst wiegelt wie das Pentagon in Washington ab: »Wir haben keinerlei Beweise, wonach abgereichertes Uran schwere Erkrankungen oder gar Todesfälle verursacht hat.« Verteidigungsminister aus anderen NATO-Ländern scheinen da ihre Verantwortung zumindest gegenüber ihren eigenen Soldaten ernster zu nehmen als ihre Kollegen in Großbritannien, den USA und Deutschland. Besonders akut ist der Streit zwischen den USA und Italien, das bisher die meisten Todesopfer des Balkan-Syndroms zu beklagen hat und das als erstes Land am Wochenende diese Todesfälle offiziell in direkten Zusammenhang mit der verschossenen DU-Munition brachte. »Diese Streitigkeiten«, fürchtet die altehrwürdige britische Times, »könnten zukünftige Friedensoperationen der NATO in Frage stellen«. Niemand scheint mehr bereit zu sein, den Beteuerungen der NATO- Vertreter über vermeintlich harmlose DU-Munition Beachtung zu schenken. In Portugal forderten verärgerte
Parlamentarier bereits die Regierung zum sofortigen Abzug ihrer KFOR- Soldaten aus dem Kosovo auf.

Rainer Rupp

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Zuletzt geändert: 09.07.2006