Uranmunition
Hamburger Abendblatt vom 17.1.2001:
Golf-Krieg 1991, Bosnien-Krieg 1994, Kosovo-Krieg 1999
Der furchtbare Verdacht: Plutonium
Enthält die Uran-Munition das tödliche Gift?
Brüssel - Die als möglicherweise gesundheitsschädlich in
die
Kritik geratene Uran-Munition soll auch hochgiftiges,
Krebs
erregendes Plutonium enthalten. Das gehe aus einer
Untersuchung
des US-Verteidigungsministeriums vom Dezember 2000
hervor,
berichtete das ARD-Fernsehmagazin "Monitor". Die NATO
kündigte in Brüssel eine große Studie zu der Frage an, ob
Leukämie-Erkrankungen bei Soldaten auf den Einsatz von
Uranmunition auf dem Balkan zurückzuführen sind.
In dem "Monitor"-Bericht
wird darauf verwiesen, dass
das unter anderem im
Kosovo-Krieg verschossene
Uran ein Abfallprodukt aus
US-Atomwaffenfabriken sei.
Nach Angaben des
US-Energieministerium
werde das verwendete Uran
dabei zwangsläufig mit
Plutonium verunreinigt.
Daher habe das
US-Ministerium bereits im
Januar 2000 darauf
hingewiesen, "dass das
abgereicherte Uran Spuren
von Plutonium enthält". Plutonium ist bereits in
geringsten Mengen
stark Krebs erregend. Nach Einschätzung des Vizechefs der
Strahlenschutzkommission der Bundesregierung, Wolfgang
Köhnlein, könnten die unter NATO-Soldaten vermehrt
aufgetretenen
Leukämie-Fälle durch das Plutonium verursacht worden
sein.
Auch in der Schweiz sind Hinweise über
Plutonium-Spuren an
der Uran-Munition aufgetaucht. Nach Angaben der
Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) haben
Wissenschaftler in Uran-Munition aus dem Kosovo geringe
Mengen
von Uran 236 entdeckt - eine Substanz, die aus den
Brennstäben
von Kernkraftwerken stammen könnte. Bei der Aufbereitung
der
Brennstäbe blieben "praktisch immer" Reste von Plutonium
zurück.
Auch UNO-Umweltdirektor Klaus Töpfer teilte gestern mit,
die von
der NATO eingesetzte Munition enthalte aufgearbeites Uran
236. Dies habe ein erstes Laborergebnis ergeben.
Unterdessen werden nach der Kritik der Union an
Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) nun auch
Vorwürfe
gegen dessen Vorgänger Volker Rühe (CDU) laut. Rühe habe
trotz
konkreter Hinweise auf den Einsatz der Uran-Munition in
Bosnien
keine Schutzmaßnahmen für die deutschen Soldaten
erlassen,
hieß es aus dem Ministerium. Dies sei erst im Juni 1999
auf
Scharpings Anweisung kurz nach dem Einsatz der
Bundeswehrsoldaten im Kosovo geschehen. Im Ministerium
sei
eine geringe Gefährdung durch Uran-Munition nicht
ausgeschlossen worden.
Rühe sei Ende 1997 informiert worden, dass die
US-Streitkräfte
1994 und 1995 Munition mit abgereichertem Uran in Bosnien
verschossen haben, hieß es weiter. Eine Empfehlung zu
vorsorglichen Maßnahmen sei nicht ausgesprochen worden.
Rühe
habe einer möglichen Gefährdung keine Aufmerksamkeit
geschenkt. Immerhin habe das Ministerium erst Jahre
später von
dem Abschuss der Munition erfahren.
1995 beantwortete das Ministerium eine Anfrage nach
Verwendung von Uran-Munition in der Bundeswehr mit Nein
und
verwies darauf, dass auch Übungsschüsse in Deutschland
verboten
seien. Unter Berufung auf einen früheren Soldaten
berichtete der
NDR dagegen, die Bundeswehr habe 1980 - also zu Zeiten
der
sozial-liberalen Koalition - Uranmunition getestet. Er
selbst habe
auf dem Truppenübungsplatz Sennelager bei Paderborn etwa
zehn
Patronen mit abgereichertem Uran verschossen. Vor
Gefahren sei
er nicht gewarnt worden. (HA)
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