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Uranmunition

03.02.2001

Brennstäbe zu Panzergranaten
Wissenschaftler: Plutoniumspuren bei DU deuten auf Reaktormaterial.
Von Reimar Paul
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Das abgereicherte Uran (Depleted Uranium) für die von NATO-Staaten im
Irak und in Jugoslawien eingesetzten Munition stammt nach Angaben des
Göttinger Chemie- Professors Rolf Bertram zumindest teilweise aus
einer Wiederaufarbeitungsanlage. Anders ließen sich die kürzlich in
Geschoßresten gefundenen Spuren von Plutonium 239 und von Uran 236
überhaupt nicht erklären, sagte Bertram am Donnerstag abend in der
Göttinger Universität bei einer Veranstaltung der Wissenschaftler und
Wissenschaftlerinnen für Frieden und Abrüstung. Bis zu seiner
Emeritierung vertrat Bertram an der TU Braunschweig das Fach
Physikalische Chemie.

Nach den offiziellen Darstellungen handelt es sich bei dem zum Härten
der Munition verwendeten abgereicherten Uran 238 ausschließlich um ein
Abfallproduktion aus der Urananreicherung. Natururan besteht zu mehr
als 99 Prozent aus Uran 238 und nur zu 0,7 Prozent aus Uran 235. Für
Brennelemente in Atomkraftwerken muß der Anteil des Uran 235 in
Anreicherungsanlagen auf etwa drei Prozent erhöht werden. Dies
geschieht zumeist per Gasdiffusion oder in Gaszentrifugen. Plutonium
239 und Uran 236 könnten in diesen Anlagen technisch gar nicht
entstehen, sondern »nur in Reaktoren, wenn Uran 235 mit Neutronen
beschossen wird«, sagte Bertram. Beide Stoffe sind hochgiftig und
radioaktiv.

Nach Bertrams Angaben stammt das so verunreinigte Uran 238 »mit sehr
hoher Wahrscheinlichkeit« aus der US- amerikanischen
Wiederaufarbeitungsanlage Paduca. Hauptabnehmer des Materials sei die
im Handel mit abgereichertem Uran weltweit führende Firma Starmet.
»Seit den 50er Jahren wurden in den USA 90 000 Tonnen abgereichertes
Uran aus Brennstäben hergestellt«, sagte Bertram. Für die
Atomkraftwerksbetreiber in den USA bedeute dies gleichzeitig eine
»ideale Atommüllentsorgung«. »Wenn es nur um das Härten von Munition
ginge, hätte man genausogut Wolfram verwenden können«, so Bertram.
»Mehr als zynisch« sei es, daß Starmet das abgereicherte Uran
gleichzeitig auch als Material zur Panzerung anbiete. Dem
Wissenschaftler zufolge ist auch abgereichertes Uran 238 »viel
gefährlicher« als bislang angenommen. Zwar werde beim Uran 238 in
fester Form der größte Teil der radioaktiven Strahlung durch die
äußeren Schichten abgeschirmt, durch einen Aufprall verwandele sich
das Metall jedoch zu rund 75 Prozent in Feinstaub. »Dabei steigt die
Radioaktivität um den Faktor eine bis zehn Millionen an«, sagte
Bertram. Die Gefährlichkeit von Uran 238 werde u.a. durch eine von der
US-Army Ende der achtziger Jahre in Auftrag gegebene Studie belegt.

An den Auswirkungen der Uranmunition leide vor allem die
Zivilbevölkerung in den betroffenen Ländern, so Bertram. Dabei seien
die gesundheitlichen Langzeitfolgen überhaupt noch nicht abzusehen.
»Die Produzenten und Abnehmer von DU nehmen zumindest billigend in
Kauf, daß Menschen sterben«. Beim Verschießen von Uran-gehärteten
Patronen, Granaten und Raketen handele es sich eindeutig um ein
»Kriegsverbrechen«.

Im Golf-Krieg wurden 1990 und 1991 nach Bertrams Angaben mehr als 300
Tonnen Uran-gehärtete Munition verschossen, in Serbien bzw. im Kosovo
1999 etwa 100 Tonnen. Außer den USA und Großbritannien hätten 16
weitere Staaten DU-Munition in ihren Arsenalen, erklärte der
Wissenschaftler.

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Zuletzt geändert: 09.07.2006