Uranmunition
Auffallende Zurückhaltung. Paris denkt über Produktion stärkerer
Uran-Munition nach
Von Hans-Hagen Bremer
Fünf französische Soldaten, die an Militäroperationen auf dem Balkan
teilgenommen haben, sind an Blutkrebs erkrankt. Dennoch hält sich die Pariser
Regierung in der Diskussion über das so genannte Balkan-Syndrom auffallend zurück.
Immerhin verfügt auch Frankreich über Uran-Munition.
PARIS, 9. Januar. Die Grünen-Partei Les Verts forderte jetzt die Einsetzung
einer parlamentarischen Untersuchungskommission. Sie soll klären, ob die jetzt
auftretenden Erkrankungen eine Folge des Einsatzes von Uran-Munition durch die
US-amerikanischen Streitkräfte sein könnten. Diese Munition wurde im früheren
Jugoslawien insbesondere während des Kosovo-Krieges 1999 verwendet.
Zwar hat sich Frankreich der Forderung mehrerer europäischer Nato-Verbündeter
angeschlossen, die von der Allianz Aufklärung über die Verwendung und die
Wirkung derartiger Waffen verlangen. Doch weder der gaullistische Staatspräsident
Jacques Chirac noch der sozialistische Premierminister Lionel Jospin ließen
kritische Äußerungen an die Adresse der Nato
beziehungsweise der USA vernehmen. Nach derzeitigem Kenntnisstand gebe es keine
wissenschaftliche Beweise, dass zwischen den vier Leukämiefällen und der
Verwendung von Uran-Munition durch die US-Streitkräfte ein Zusammenhang
bestehe, erklärte Verteidigungsminister Alain Richard vergangene Woche. Bei
dieser Haltung ist es bisher auch geblieben.
Allerdings können sich französische Soldaten, die auf dem Balkan eingesetzt
waren oder sind, auf mögliche Leukämie-Erkrankungen untersuchen lassen. Das kündigte
am Dienstag der Generalarzt der Streitkräfte, Jean-Yves Tréguier, in Paris an.
Er ist Mitglied eines parlamentarischen Ausschusses, der sich mit dem Phänomen
des so genannten Golf-Syndroms befasst. An dieser Krankheit leiden Soldaten, die
1991 am Golf-Krieg teilgenommen haben. Bei den Betroffenen würden derzeit
Analysen vorgenommen. Insgesamt waren 40 000 französischen Soldaten auf dem
Balkan stationiert.
Wie die USA verfügt auch Frankreich über Munition, die mit abgereichertem Uran
gehärtet wurde. Das räumte das Pariser
Verteidigungsministerium bereits vergangene Woche ein. Dabei handelt es sich um
105-mm-Granaten für den Panzer AMX-30 B2.
Auch Prototypen eines stärkeren Uran-Geschoss von 120 Millimeter Stärke für
den neuen Panzer Leclerc seien entwickelt worden. Über ihre Produktion sei
jedoch noch nicht entschieden. Die Möglichkeit toxischer Wirkungen dieser
Munition wird,
wie Verteidigungsminister Richard erklärte, noch weiter untersucht. "Alles
deutet jedoch darauf hin, dass diese Munition verwendet werden kann", sagte
Richard.
(Quelle: Frankfurter Rundschau - online)
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