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Uranmunition

Geschosse explodierten an Türschwellen der Anwohner

Auch britische Zivilisten besorgt wegen Balkan-Syndroms / London kündigt Untersuchung von Kriegs-Veteranen an

Von Peter Nonnenmacher (London)

Die britische Regierung hat ihre harte Haltung in der Frage der Uran-Geschosse aufgegeben und eine Untersuchung Tausender
Kriegs-Veteranen angekündigt. Wachsender europäischer Druck hatte für die spektakuläre Kursänderung gesorgt.

Staatssekretär John Spellar kündigte am Dienstag im Parlament ein "freiwilliges Untersuchungs-Programm" für Soldaten an. Die
Regierung werde mit den Nato-Verbündeten außerdem Informationen über Uran-Geschosse austauschen und eigene Untersuchungsergebnisse zur Verfügung stellen. Eine Verbindung zwischen Uran-Munition und Erkrankungen bei Soldaten sehe er allerdings nicht, sagte Spellar. Weder ließen sich bei britischen Golfkriegs-Veteranen erhöhte Erkrankungsraten feststellen, noch bei Balkan-Soldaten.

Zehn Jahre lang hatte sich die britische Regierung geweigert, dem so genannten "Golfkriegs-Syndrom" auf den Grund zu gehen. Nun haben die jüngsten Erkrankungen europäischer Balkan-Soldaten und das zunehmende Misstrauen kontinentaler Staaten gegen die uranhaltigen Geschosse, die von den USA in Bosnien und im Kosovo verwendet wurden, ein Einlenken Londons erzwungen. Gleichwohl besteht die Regierung darauf, dass sie kein Risiko ausmachen könne und deshalb Uran-Geschosse im Arsenal der britischen Streitkräfte behalten werde.

Mit ihrem Schwenk distanzierten sich die Briten von den USA, an deren Seite sie im Balkan und am Golf als wichtigste Verbündete kämpften. London hatte in der Vergangenheit zwar gelegentlich darauf hingewiesen, dass nur die Amerikaner, nicht aber britische Truppen im Balkan die umstrittenen Geschosse benutzt hatten. Die Briten hatten den Einsatz der Geschosse aber noch bis vor wenigen Tagen als "legitim" und als für militärische Zwecke "sehr wichtig" gerechtfertigt.

In Großbritannien testen die britischen Streitkräfte solche Geschosse allerdings schon seit Jahren - weshalb sie neuerdings befürchten müssen, dass beunruhigte Soldaten und Anwohner der Testgelände gegen diese Tests zu Felde ziehen. Tausende Geschosse sollen auf Stützpunkten der Royal Air Force im Süden und Nordwesten des Landes gezündet worden sein.

Auch Zivilisten müssten sich nun Sorgen machen, erklärte dazu der Nationale Verband der Golfkriegs-Veteranen: "Die Geschosse sind buchstäblich an den Türschwellen der Anwohner getestet worden." Der Labour-Abgeordnete und frühere
Verteidigungs-Staatssekretär Peter Kilfoyle hielt es für "falsch, die Geschosse in Britannien weiter zu verwenden, so lange wir nicht sicher sein können, dass sie unbedenklich sind".

Bisher ist derweil nur ein Fall bekannt, in dem ein britischer Soldat seine Erkrankung auf seinen Balkan-Einsatz zurückführt. Der
41-jährige Kevin Rudland reparierte als Mitglied einer internationalen Friedenstruppe von Dezember 1995 bis April 1996 in Bosnien Panzer, die häufig Uran-Geschosse abfeuerten. Seinen dramatischen körperlichen Verfall seither erklärt sich Rudland aus dem Uranstaub, mit dem er während seiner damaligen Tätigkeit Kontakt hatte: "Mein Leben ist regelrecht zerstört worden." Schutzkleidung habe es in Bosnien nicht gegeben, man habe ihm einfach geraten, die Hände regelmäßig zu waschen. Dass die
Geschosse uranhaltig waren, habe niemand gewusst.

Golfkriegs-Veteranen vermuten dagegen, dass Haarausfall, Knochenschwäche und Leukämie Folgeerscheinungen des Kriegs gegen Irak sind. Über 400 britische Soldaten aus jenem Konflikt seien in den neunziger Jahren am "Golfkriegs-Syndrom" zu Grunde gegangen, sagt der Veteranen-Verband. Die Regierung besteht dagegen weiterhin darauf, dass dies "die durchaus normale Zahl von Sterbefällen in der betreffenden Altersgruppe" sei.

(Quelle: Frankfurter Rundschau - online)

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Zuletzt geändert: 09.07.2006