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Uranmunition

Noch Zukunft für Arbeit und Leben in Flensburg? (von Ludwig Hecker)

Die Kolleginnen und Kollegen der beiden lnstandsetzungsbetriebe Fahrzeugwerke Nord -FWN und Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft - FFG bangen um ihre Arbeitsplätze. Das Heeresamt hat einen Auftragsstopp für die Wartung von Heeresfahrzeugen verhängt, weil im Verteidigungshaushalt das nötige Geld fehlt. Die FWN haben bereits Kurzarbeit angemeldet, die FFG steht kurz davor.

Nun könnten man ja meinen, daß wir Friedensfreunde von diesem „Abrüstungsschritt" erfreut sind, doch so einfach ist das alles nicht. Die Friedensbewegung fordert eine weitgehende Abrüstung bis hin zur Abschaffung der Bundeswehr und die Produktion der Rüstungsbetriebe muß dabei auf eine zivile und volkswirtschaftlich sinnvolle Produktion umgestellt werden. Die Probleme der beiden Flensburger Betriebe werden nicht durch Abrüstungsmaßnahmen verursacht, sondern durch die Umrüstung der Bundeswehr zu einer hoch mobilen schlagkräftigen Angriffsarmee, die in der ganzen Welt für deutsche und internationale Wirtschaftsinteressen eingesetzt werden soll. Dafür sind Panzer, die Dinosaurier Landkrieges, weniger geeignet, also überflüssig und brauchen auch nicht mehr gewartet werden.
Dieser Unterschied ist aber für die Flensburger Fahrzeugbauer unerheblich. Der Diehl-Konzern, dessen Tochtergesellschaft die FFG ist, hat beschlossen den Produktionsstandort Flensburg, und ebenfalls den in Neubrandenburg, platt zu machen und das noch verbleibende Reparaturgeschäft zusammenzufassen und ins Saarland zu verlagern. Mit dieser Lösung nach Konzemherren-Art sichert sich der Diehl-Konzern bei rückläufigem Auftragsvolumen auf Kosten der Arbeitsplätze und Lebensgrundlage der Mitarbeiter weiterhin seine Profite. In Flensburg sind davon 370 Kolleginnen und Kollegen bei der FFG und mehr als 1000 weitere bei den industriellen Zulieferern betroffen.

Betriebsrat und Belegschaft der FFG zusammen mit der IG-Metall, wollen dem Sterben ihrer Arbeitsplätze nicht tatenlos zusehen und haben sich an die Landes- und Kommunalpolitiker, sowie an die Bevölkerung gewandt und auf ihre Lage aufmerksam gemacht. Oberbürgermeister Stell hat die Entwicklung bei der FFG als eine Katastrophe für Flensburg bezeichnet und seine Hilfe zugesagt, ebenso Flensburger Landtags- und Bundestagsabgeordnete.
Die IG-Metall und die Geschäftsleitung der FFG sehen gute Chancen für ein Überleben der FFG auch ohne Rüstungsaufträge. Dabei müßte aber der Diehl-Konzern mitmachen und seine Flensburger Tochter in die Eigenständigkeit entlassen. Dann könnte der schon eingeleitete Prozeß der Rüstungskonversion weiter fortgeführt und die zivile Fahrzeugproduktion ausgeweitet werden. Auch könnte sich die FFG um Kooperation und Lohnaufträge anderer Firmen aus den Bereichen Schiffbau, Apparatebau, Behälterbau, Rohrleitungsbau und dem allgemeinen Maschinenbau bemühen und dadurch eine stabilere Grundlage bekommen. Sie könnte dann ohne Rüstung leben.

Doppelte Moral - doppelter Profit (von Ralf Cüppers)

Der Rüstungskonzernchef Karl Diehl war eine Stütze des Naziregimes und KZ-Profiteur. In seinen Betrieben wurden Zwangsarbeiter ausgebeutet und zu Tode geschunden. Nach 1945 wurde er nicht für seine Verbrechen bestraft, vielmehr durfte er weiterhin seinen Rüstungsbetrieb führen. Die Bundesrepublik brauchte Männer wie Diehl für ihre Wiederaufrüstung. Unter seiner Führung wurde Diehl zu einem der drei großen Landminenproduzenten, die anderen beiden sind Daimler-DASA und Dynamit-Nobel.

Die Kampagne gegen Landminen ist höchst aktuell, hat immerhin den Friedensnobelpreis erhalten. Warum werden die heutigen Machenschaften des Diehl-Konzerns, die nicht minder schäbig sind als die im Naziregime, bei der Auseinandersetzung um die Arbeitsplätze in Flensburg nicht aufgegriffen ?
In Flensburg wurde die neueste Errungenschaft der FFG hochgelobt: ein Minenräumpanzer. Alle Achtung, hat sich der Rüstungskonzern Diehl mit seinem Flensburger Ableger so gewendet ? Nicht etwa die Bundeswehr, das Auswärtige Amt sei der Auftraggeber, der den Minenräumpanzer für humanitäre Einsätze in alle Welt schicken wird. Nun kann wohl keiner einen Einwand dagegen haben, daß die auf den ehemaligen Kriegsschauplätzen zurückgelassenen Minen endlich entfernt werden. Und wenn die Bundesregierung dafür zu bezahlen bereit ist, ist dies immer noch eine sinnvollere Verwendung unserer Steuergelder als die Anschaffung neuer Mordwaffen für die Bundeswehr, wie z. B. neue Minen. Denn zeitgleich mit der Produktion des Minenräumpanzers werden Minenraketen „AT2" und „ADW", Panzerabwehrminen „PARM1" und „PARM2", „Flächenverteidigungsminen", „Minenverlegesystem 85" und die „Mehrzweckwaffe MW-1" beschafft. Bei letzterer handelt es sich um ein Minenabwurfgerät, mit dem aus der Luft vom „Tornado"-Flugzeug aus Minen der Sorten „Mine-Flach-Flach (MIFF)", „Mine-Multi-Splitter-Aktiv (MUSA)" und „Mine-Multi-Splitter-Passiv (MUSPA)" verlegt werden können. Hersteller der „MW-1" ist die RTG, ebenfalls ein Ableger des Rüstungskonzernes Diehl.
Der Diehl-Konzern ist neben Dynamit-Nobel-Troisdorf und Daimler-Ableger DASA bekanntester Hersteller von Minen. Deutsche Minen werden nicht nur als Minen für die Bundeswehr, sondern auch für den Export produziert. Somit stellt sich das Bemühen des Diehl-Konzernes bei der Bekämpfung weltweiter Minengefahr als blanker Zynismus dar und ist Ausdruck seiner Profitgier: Sowohl Minen zu produzieren und daran zu verdienen, als auch Minenräumpanzer herzustellen und auch daran zu verdienen. Und es ist nicht bekannt, daß Diehl nun mit der Minenproduktion aufhören würde, wo er den Flensburger Minenräumpanzer an das Auswärtige Amt verkauft hat. Diehls Geschäftsführer Erichsen bestätigt sogar: „Natürlich produzieren wir weiterhin im wehrtechnischen Bereich …. auch für den Export ins Ausland".
Die Hoffnung, daß mit Hilfe eines Minenräumpanzers die Zivilbevölkerung vor den Folgen im Boden vergessener Minen geschont wird, ist trügerisch. Die Funktionsweise des Minenräumpanzers kann man so beschreiben, daß mit Hilfe der gegen die Fahrtrichtung rotierenden Räumelemente der Erdboden in etwa 25 cm Tiefe und 4 m Breite ausgefräst wird und alle darin befindlichen Gegestände, also auch Minen, zur Seite weggeschleudert werden. Die Minen sind dadurch nicht beseitigt, sie liegen nun an anderer Stelle. Teils werden sie dabei auch zerstört oder ausgelöst, aber eben nur zum Teil. Der einzige Bereich, der minenfrei ist, ist eine Gasse über dem ausgefrästen Boden. Hier könnten nun Soldaten vorrücken. Ein Minenräumpanzer ist also eher nach militärischen Bedürfnissen konzipiert. Zum flächenhaften Entfernen der Minen ist er nicht geeignet, insbesondere nicht in unebenem Gelände. Dies hatte zumindest der damalige EU-Verwalter von Mostar, Hans Koschnik, gegenüber dem Bundestag festgestellt, nachdem im Raum Mostar erstmals Minenräumpanzer zum Einsatz kamen. Das Räumen und Beseitigen von Minen ist also erheblich komplizierter und auch teurer, als das Herstellen und Verlegen derselben.

Die Abschaffung von Menschenvernichtungswaffen wie die Landminen erfordert nicht nur die Abschaffung der Bundeswehr, sondern auch die Abschaffung von Rüstungskonzernen wie dem von Herrn Diehl. Der Diehl-Konzern wäre erheblich nützlicher, wenn er seine Produktion völlig einstellen würde. dann würde mit seinen Produkten kein Schaden angerichtet. Daß einige wenige Diehl-Beschäftigte durch ihre Arbeit hier ein bischen mehr Geld zum Leben haben, bezahlen zigtausende Minenopfer in aller Welt mit zerfetzten und amputierten Gliedmaßen oder auch mit ihrem Leben. Enttäuschend ist doch nur, daß es in Flensburg und Nürnberg Menschen gibt, die „freiwillig" für Herrn Diehls Rüstungsschmiede arbeiten. Vor 60 Jahren, als er als „KZ-Profiteur" Zwangsarbeiter ausbeutete, war immerhin noch unmittelbarer Zwang vonnöten.

Die Gewerkschaftskollegen der IG-Metall haben in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche Vorschläge gemacht, wie die FFG ohne Rüstungsproduktion eine zivile Zukunft haben kann. Wenn sie mit ihren Vorschlägen zum Zuge kommen, hätten sie ihre Arbeitsplätze gesichert. Leider bestimmen nicht die Arbeiter über ihren Betrieb, sondern der Konzernchef, Altnazi und Militarist Karl Diehl. Er hat auf Rüstungsprofite spekuliert, als denen nichts werden konnte: Es war absehbar, daß die Bevölkerung sich nicht mehr militärisch bedroht fühlt, die Bundeswehr, wenn nicht abgeschafft, so doch erheblich reduziert wird. Das es nicht merh so weiter geht, war klar. Doch der Konzernchef verhindert selbstherrlich den Umbau seines Konzernes zu einem rein zivilen Betrieb. Die Arbeiter haben sich leider nicht gewehrt und sind die Opfer seiner Willkür; sie werden in die Arbeitslosigkeit entlassen.

Da Diehl den Betrieb nicht mehr braucht und sowieso schließen will, wird ihm noch nicht einmal was weggenommen, wenn die Kollegen den Betrieb übernehmen würden. Die Politiker die Diehl mit Rüstungsaufträgen versorgt haben, müssen nun den zivilen Umbau fördern. Denn auch sie sind mitverantwortlich dafür, daß der Altnazi und Militarist nicht rechtzeitig aus der Rüstungsproduktion ausgestiegen ist. Diehl ist einfach schädlich für seine Arbeiter. So einem skrupellosen Mann darf nicht die Führung eines Unternehmens anvertraut werden. Erst wenn die Arbeiter selbst ihren Betrieb leiten, kann auch ein Diehl keinen Schaden mehr anrichten. Die Kollegen müssen den Betrieb in ihre Hand nehmen.

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Zuletzt geändert: 09.07.2006